Eine der häufigsten Fragen, mit denen Menschen zu mir ins Coaching kommen, lautet: „Wie kann ich selbstsicherer auftreten?" Es ist eine ehrliche Frage, und sie ist berechtigt. Aber sie hat einen kleinen Haken: Sie fragt nach einer Eigenschaft. Und Eigenschaften lassen sich schwer abstrakt entwickeln. Was sich entwickeln lässt, sind Erfahrungen. Und genau hier kommt der Hund ins Spiel.

Was Selbstvertrauen wirklich ist

Selbstvertrauen ist kein Charakterzug, den man hat oder nicht hat. Es ist eine Sammlung von Erfahrungen, die sagen: „Ich kann mir vertrauen. Ich habe Situationen gemeistert. Ich werde wieder welche meistern." Wer als Kind oft erlebt hat, dass sein Handeln Wirkung hatte, hat in der Regel mehr Selbstvertrauen als jemand, der oft erlebt hat, dass seine Stimme nichts veränderte. Das ist keine moralische Bewertung, sondern eine Beobachtung.

Das Gute daran: Wenn Selbstvertrauen aus Erfahrungen entsteht, dann lassen sich auch neue Erfahrungen schaffen. Genau das ist die Aufgabe von Coaching. Wir konstruieren nicht „Selbstbewusstsein" aus dem Nichts – wir schaffen Situationen, in denen Sie sich anders erleben können.

Der Hund macht die abstrakte Coaching-Frage „Wie kann ich selbstsicherer auftreten?" zu einer konkreten, körperlich erfahrbaren Antwort.

Warum der Hund hier so wirksam ist

Wer einen Hund führt, ist gefordert. Nicht intellektuell – körperlich und energetisch. Sie müssen entscheiden: Wo gehen wir hin? Wie schnell? Wann bleiben wir stehen? Diese Entscheidungen werden mit Körperhaltung, Atem, Tempo, Blickrichtung kommuniziert. Der Hund liest das. Sofort.

Ist Ihre Führung klar und sicher, folgt der Hund bereitwillig. Sind Sie unsicher, zögerlich, inkongruent – signalisieren Sie also etwas anderes mit dem Körper als mit dem Wort –, reagiert der Hund mit Zögern, mit Eigeninitiative, mit Ignorieren. Das ist nicht böser Wille. Das ist ein Spiegel, der nicht beleidigend ist, weil er nicht moralisch ist.

Was Klientinnen oft sagen

Nach einer Übungseinheit mit Jim oder Pepper kommen Sätze wie:

  • „Ich habe gemerkt, wie ich plötzlich klarer geworden bin – ich konnte spüren, wie sich das anfühlt."
  • „Mir ist aufgefallen, wie oft ich gleichzeitig zwei Dinge mache: höflich bitten und gleichzeitig anweisen. Der Hund war verwirrt – und ich verstand, warum."
  • „Als ich aufgehört habe, mich anzustrengen, ist es plötzlich leicht geworden."

Das sind keine Phrasen. Das sind erlebte Erkenntnisse. Sie haben mit dem Körper stattgefunden, nicht nur im Kopf. Und genau deshalb halten sie länger.

Der Transfer ins Leben

Im Anschluss arbeite ich systemisch weiter. Wir übertragen das Erlebte auf konkrete Situationen aus Ihrem Alltag. Die Mitarbeiterin, der Sie unklar Anweisungen geben. Das schwierige Gespräch mit der Partnerin. Der Vortrag, vor dem Sie sich fürchten. Wie wäre es, dort mit derselben Klarheit aufzutreten, die Sie eben beim Spaziergang mit dem Hund hatten?

Diese Übertragung gelingt erstaunlich gut, weil der Anker körperlich ist. Sie können sich später erinnern – nicht an einen Satz, sondern an ein Gefühl. „Ah ja, so war das, als ich Pepper geführt habe. Diese ruhige Klarheit. Die brauche ich jetzt."

Besonders wertvoll bei geringem Selbstwertgefühl

Es gibt eine Gruppe von Menschen, für die diese Arbeit besonders berührend ist: Menschen mit chronisch geringem Selbstwert. Sie haben oft eine lange Geschichte von negativen Rückmeldungen hinter sich – manchmal explizit, manchmal subtil. Sie glauben, nicht liebenswert oder nicht kompetent zu sein.

Wenn jetzt ein Hund auf diese Person zugeht – ohne Agenda, ohne Berechnung, einfach weil er Verbindung sucht –, dann widerlegt das auf einer tiefen, nonverbalen Ebene eine alte Überzeugung. „Hier ist jemand, der mich mag, ohne dass ich etwas leisten muss." Das ist keine Coaching-Technik. Das ist eine Begegnung. Und Begegnungen sind manchmal wirksamer als alle Theorien.

Was diese Arbeit nicht ist

Eine Klarstellung zum Schluss: Selbstvertrauen-Coaching mit Hund ist keine Methode, mit der man jemanden „macht". Sie ist eine Möglichkeit, sich selbst anders zu erleben – nicht mehr, nicht weniger. Veränderung passiert in Ihnen, nicht durch mich oder den Hund. Wir sind nur freundliche Spiegel, die etwas zeigen, was ohnehin in Ihnen liegt.

Für wen

Dieses Format eignet sich besonders für Menschen vor Karrieresprüngen, in Veränderungsphasen, nach langer Berufspause oder nach belastenden Lebensereignissen. Auch Jugendliche und junge Erwachsene profitieren häufig sehr.

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Claudia Schmenger Systemischer Business Coach · Therapiehundeteam